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    ServicePlus – Qualifizierungsseminar der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr

     

    Der Kunde ist König. Und das soll er möglichst lange bleiben. Doch auch König Kunde wird älter und seine Bedürfnisse ändern sich. Auch die Kreishandwerkerschaft Rems-Murr  trägt dem Älterwerden der Gesellschaft Rechnung und bietet dafür gemeinsam mit dem Kreisseniorenrat Rems-Murr-Kreis Qualifizierungsseminare „ServicePlus“ an. Am Samstag, 29. April 2017, trafen sich Vertreter von 14 Handwerksbetrieben aus dem Rems-Murr-Kreis und 3 Betrieben aus dem Landkreis Esslingen in der Diakonie Stetten zu einer Grundschulung ServicePlus, um mehr über den Umgang mit älteren Menschen und Menschen mit Einschränkungen (Hilfsmittel, Wohnanpassung, Umbaumaßnahmen usw.) zu erfahren. 

    Nach der Begrüßung durch den Kreishandwerksmeister Herbert Hofmaier für die Kreishandwerkerschaft Rems-Murr, der stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisseniorenrats Rems-Murr-Kreis Waltraud Bühl, der Moderatorin der Veranstaltung Jutta Kraak (Reutlingen) referierte Magdalene Lutz-Rolf, Ausbilderin und Einsatzleitung im Göppinger Seniorennetzwerk, über das Thema „Was verändert sich im Alter?“. Mit den Feststellungen „Alter kann man nicht mit Pflegebedürftigkeit gleichsetzen“ und „Der demografische Wandel ist nicht nur eine Chance, sondern auch eine Herausforderung, denn die Gruppe der Senioren hat eine hohe Kaufkraft und die Nachfrage nach Seniorenprodukten steigt stetig!“ begann sie ihren Vortrag. Andererseits werden Verhandlungen mit älteren Menschen – vor allem für Handwerker - oft erschwert durch: gesundheitliche Veränderungen (Demenz; Depression, Wahn), eingeschränkte Mobilität, verminderte Leistung der Sinnesorgane (Sehen, Hören, Tasten), geringere physische Belastbarkeit. All diese Merkmale erfordern ein besonderes „Verhältnis“ zu diesen Kunden. 

    „Barrierefreies Bauen“ war das Thema der Referentin Jutta Kraak. Sie erläuterte zunächst, dass es immer mehr ältere Menschen und auch mehr Menschen mit Behinderung gibt. Diese alten und behinderten Menschen müssen am öffentlichen Leben teilnehmen können. „Es gibt nicht den genormten Behinderten“, betonte Jutta Kraak, die Ursachen der Behinderungen sind vielfältig: eingeschränkte Mobilität, Seh- und Hörbehinderung, geistige Behinderung, große und kleinwüchsige Menschen und andere. Für alle diese Behinderungen müssen bei Bau/Umbau einer Wohnung ganz spezielle Lösungen gefunden werden. Viele praktische Beispiele wurden aufgezeigt, über Finanzierungshilfen gesprochen. 

    Waltraud Bühl sprach dann über ihre praktischen Erfahrungen als Wohnberaterin in Weinstadt, zeigte Vorgehensweisen auf und gab hilfreiche Tipps. Zusammen mit Karl Zahradnik (Wohnberater aus Münsingen) wurde auch über Finanzierungsmodelle diskutiert.  

     

    Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgte der praktische Teil des Seminars. „Einschränkungen erleben und nachvollziehen, praktische Erfahrungen mit dem Alterssimulationsanzug und Rollstühlen“ hieß das Thema. Die Schulungsteilnehmer konnten sich durch Simulationsübungen selbst in die Lage versetzen, plötzlich körperlich nicht mehr fit zu sein. Begleitet wurde dieser Punkt von den Referenten Karlheinz Fries (Kreisseniorenrat Esslingen), Karl Zahradnik (Wohnberater Münsingen) und einem Referenten des Geriatrischen Zentrums Tübingen. 

    Im Anschluss daran sprach Frank Epple (Rechtsanwalt aus Stuttgart) noch über rechtliche Aspekte von Betreuung, DIN-Normen bei der Wohnanpassung, Vertragsrecht.  

    Am Ende durften Jutta Kraak und Carmen Aichele (Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr) den Teilnehmern die Zertifikate ServicePlus überreichen. 

    Carmen Aichele hatte diese Veranstaltung nicht nur hervorragend organisiert, sondern auch für das leibliche Wohl der Teilnehmer gesorgt. 

    Die Liste der zertifizierten Handwerksbetriebe wird auf den Webseiten der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr und des Kreisseniorenrats Rems-Murr-Kreis veröffentlicht.