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    Verbraucher 60+- Senioren im Internet

    Internet birgt gute Chancen für Ältere
    Verbraucherkonferenz 60+ in Schorndorf schafft Voraussetzung für sinnvolles Surfen: Wissen über Möglichkeiten, Gefahren und Rechte
    Wo Teenies im Internet zu leichtsinnig sind, gehen Senioren häufig vorsichtiger vor, als es nötig ist. Schade eigentlich, findet Staatssekretärin Gurr-Hirsch. Schließlich kann das Internet den Bewegungsradius älterer Menschen wieder vergrößern, sofern sie ihre Rechte in der digitalen Welt kennen und Gefahren richtig einschätzen können. Solche Fähigkeiten sind Schorndorfer Senioren gestern bei der Konferenz „Verbraucher 60+“ vermittelt worden.  
    Bisher nutzt nur jeder Dritte über 65 Jahren das Internet. Das rechnet Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (MdL) vor. Dabei könne gerade die Generation jenseits der 60 von den Möglichkeiten des Internets profitieren: Preisvergleich, Einkauf, Kontaktpflege über Netzwerke oder Bildtelefonie, Kontoabwicklung: All das geht mittels eines Computers und einer leistungsstarken Internetverbindung mittlerweile, ohne nur einen Fuß vor die Tür zu setzen.
    Trotzdem: Viele schrecken vorm Netz zurück. Mit einem Blick auf die Zahlen macht die Staatssekretärin klar, weshalb: Von den wenigen betagten Internetnutzern haben zwar 80 Prozent bereits online eingekauft. Allerdings hatten 20 Prozent von ihnen Probleme. Entweder wurden Waren nicht geliefert oder sie hatten den Kauf versehentlich abgeschlossen. 30 Prozent sind zudem schon einmal in eine Abofalle getappt. Deshalb fordert Friedlinde Gurr-Hirsch mit dem Verbraucherministerium im Rücken schon seit 2008 eine „Button-Lösung“. Dahinter steht die Idee, dass vor kostenpflichtige Aktion ein extra „Button“ (Knopf) geschaltet wird. Erst nach dem bewussten Anklicken desselben soll die jeweilige Aktion ausgeführt werden.
    Ein unlösbares Problem muss ein versehentlich abgeschlossener Vertrag aber nicht werden. Wer als Nutzer einem schwarzen Internet-Schaf aufsitzt, kann das Team der offiziellen Online-Schlichtungsstelle (www.online-schlichter.de) aus Kehl/Straßburg zu Hilfe rufen. Die Mitarbeiter vermitteln in Streitfällen zwischen Anbieter und Verbraucher – auch über Landesgrenzen hinweg. 70 Prozent aller Fälle, die bisher an die Schlichter herangetragen worden sind, konnten auch tatsächlich gelöst werden. Außerdem hat die Stelle ein Online-Handbuch herausgebracht, das über Verbraucherrechte, Möglichkeiten und Gefahren informiert.
    Sowohl Guido Steinke von der Bundesarbeitsgesellschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) als auch Felix Braun vom Verein Euro-Info-Verbraucher empfehlen einhellig: „Immer ins Impressum gucken.“ Sie raten, stets zu überprüfen, ob die angegebenen Adressen eines Internetshops stimmen. Das könne über Google-Maps und in der Suchmaschine gespeicherte Satellitenbilder geschehen. Sei statt eines Firmengebäudes ein Bauernhof mit angeschlossener Scheune zu sehen, sei der Betrug offenbar. Zudem verweist Braun auf die Verbraucherzentrale. Hier werden Abzockerfirmen aufgelistet. Wer vermutet, einen weiteren Betrüger entdeckt zu haben, kann ihn dort melden. Auch Gütesiegel können auf die gute Qualität eines Internetshops hinweisen. Allerdings empfiehlt der Experte: „Klicken Sie das Siegel an.“ Nur wenn sich dann die Seite des jeweiligen Siegel-Verleihers öffne, sei das Siegel echt. Und wer im Netz mit seiner Kreditkarte bezahlt, sollte regelmäßig seine Kontoauszüge kontrollieren. So kann im Ernstfall zu viel oder fälschlich abgebuchtes Geld wieder zurückgeholt werden.
    Auf der Internetseite www.surfer-haben-rechte.de hat der Bundesverband der Verbraucherzentrale die wichtigsten Informationen zu einer sicheren Reise durchs Internet gebündelt. Außerdem können hier Checklisten heruntergeladen werden. Wer sich an ihnen orientiert, dürfte davor gefeit sein, einem Internetbetrug aufzusitzen. Zudem sollte jeder seinen Computer sicherheitstechnisch mit verlässlichen Programmen aufrüsten (kostenlose sollten immer überprüft werden). Solche Zusatzangebote machen Rechner resistent gegen Schadsoftware und Computerviren. Sogenannte „Firewalls“ schützen das Gerät vor schädlichen Internetverbindungen. Jegliche Sicherheitsvorkehrungen benötigen aber regelmäßige Auffrischung. Schließlich suchen Angreifer stets nach Lücken im System.
    Der grundsätzliche Appell von Guido Steinke und Felix Braun ist deutlich: Möglichst wenige Daten sollten herausgegeben werden.Werden E-Mail-Adresse, Anschrift, Geburtsdatum, Bankverbindung oder Telefonnummer aber einmal abgefragt, sollte der Nutzer überprüfen, wie plausibel die Datenforderung klingt. Zusätzliche Geheimhaltung sei in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Wer-kennt-wen geboten. Schließlich könne hier bei falschen Grundeinstellungen schnell zur öffentlichen Publikation werden. Immerhin: Jeder sechste Internetnutzer über 60 ist Mitglied in einem derartigen Netzwerk.

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